Smalltalk im Supermarkt

Wir stehen vor einem riesigen Berg Toilettenpapier. Der fremde Mann und ich. 32 Rollen für 15 Franken. Eine Gelegenheit? Jedenfalls eine Aktion des Grossverteilers. Lockvogel oder Kundenfänger. Der Mann überlegt sich, ob er so ein Riesenpack kaufen will. «Verdirbt nicht, kann man immer brauchen.» Ich stimme ihm zu. Der Mann ist klein, leicht gehbehindert und bedächtig. Er habe seinen Anhänger dabei, sagt er und zeigt auf sein Kommissionenwägeli, wie schon meine Mutter und Grossmutter eines hatten. Ich bin mit dem Auto da, aber das sage ich nicht. Dafür «ich muss eh Toilettenpapier kaufen». Das stimmt auch, steht auf meinem Einkaufszettel. Wir wissen nicht weiter. Also lade ich so ein Riesenpack in meinen Einkaufswagen und verabschiede mich. Ich ziehe durch die Regale, arbeite meine Einkaufsliste ab.

Das Riesenpack stört mich. Erinnert mich an die Pandemie. Da herrschte eine Toilettenpapiermangellage. Als es wieder gab, hatte derselbe Grossverteiler nur diese 32 Rollen Pack. Weder mag ich mit 32 Rollen Toilettenpapier durch die Gegend laufen, als hätte ich Durchfall, noch habe ich zu Hause einen Schrank dafür.

Im Grossverteiler wird gross verteilt. Ich könnte mindestens ein Dutzend weitere Aktionen kaufen, etwa einen Sack Obst nach Wahl, soviel wie sich hineinstopfen lässt. Aber ich habe keine Grossfamilie und will nicht wochenlang schrumpelige Äpfel essen. Wieder einmal muss ich mich daran erinnern, dass ich nur kaufe, was auf dem Einkaufszettel steht. Mit Aktionen sparen, ist zu neunzig Prozent ein Trugschluss. Ich habe dann plus das ausgegeben, das ich nicht wollte, und nicht das gespart, was es weniger kostet.

Kurzentschlossen drehe ich meinen Einkaufwagen und gehe zurück zum Berg. Der Mann steht immer noch da. Sein Anhänger wäre zu klein, sagt er und zuckt mit den Schultern. «Und mir ist das einfach zu viel», sage ich. Ich lege das Pack zurück und nehme stattdessen ein paar Meter weiter mein übliches 9er Pack mit Kamillenduft.

herzlichst
barbara esther

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