Der Tod

Heute wird Vater kremiert. Für Sie ist das eine Nachricht. Für mich ein Kapitel, das sich schliesst. Ich bin jetzt ein Waisenkind. Auch das ist erst einmal nur eine Tatsache. Eine alltägliche, das passiert täglich. Der Tod ist allgegenwärtig. In der Ukraine, in Gaza, im Iran und anderswo. Die Nachrichten sind voll davon. Realität, die zur Tagesordnung gehört, an die wir uns gewöhnt haben.

Bis sie uns selbst trifft. Dann bleibt das Leben stehen, wird alles andere unwichtig, sind wir im Ausnahmezustand. Die Furcht vor dem Klingeln des Telefons mit der endgültigen Nachricht ist vorbei. Doch fürs Trauern ist keine Zeit. Die Mühlen mahlen. Amtsstellen mit Notwendigem, Bekannte mit Gutgemeintem. Wir funktionieren, überlegen morgens um drei, ob der Blumenschmuck der richtige ist, die Adressen für die Trauerkarten vollständig sind.

Dieser Tod hat vor meiner Haustür Halt gemacht. Ein Mensch, der mir nahestand, ist weg. Nicht kurz zum Einkaufen, sondern für immer. Ich kann ihn nicht mehr anrufen, nichts mehr fragen. Nie mehr. Ich werde mir unserer Endlichkeit bewusst. Verdrängen geht nicht mehr. Ich frage mich, ist mein Testament gemacht, mein Vorsorgeauftrag, meine Patientenverfügung? Dinge, die für meine Liebsten hilfreich werden können.

Ich bin jetzt froh, wenn mein Liebster schnarcht, dann weiss ich, dass er lebt.

herzlichst
barbara esther

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