Stolz und Vorurteil

Was mich beschäftigt, lässt sich mit Jane Austens ewigem Bestseller «pride an prejudice» am besten zusammenfassen. Ob Sie das 1813 erschienene Buch gelesen oder die Verfilmung von 2005 gesehen haben, ist nicht wichtig. Es geht um Gefühle, die Sie, ich wette, kennen: Stolz und Vorurteil. Sie führen in die Sackgasse, sind oft falsch oder führen zu Missverständnissen.

Das zweifelhafte Paar legt uns Steine in den Weg, deren Grösse wir uns selbst auslesen. Der Bauarbeiter ist dumm, die Anwältin arrogant, die Journalistin will mich in die Pfanne hauen, Männer sind Machos – genau Vorurteile nähren sich von Klischees, werden im Film zementiert und wir nehmen sie mit, machen sie zu Pseudofakten bis wir eines Besseren belehrt werden.

Kürzlich habe ich eine Frau in einem Männerberuf interviewt. Sie ist Betriebsleiterin, eine der wenigen und stolz darauf. Mir war nicht bewusst, dass eine Bäuerin, den Haushalt macht und die Frau des Bauern ist. Ich fand Bäuerin tönt schöner als Landwirtin. Fachlich korrekt sei Landwirtin, so habe ich sie dann auch benannt. Sie ist stolz auf ihren Beruf und macht ihn gern. Einen solchen Stolz darf man pflegen, finde ich.

Nachdem die Berufsbezeichnung geklärt war, erklärte die Landwirtin dies und das und stellte Vergleiche an wie, sie sei lieber auf dem Land, ich lieber in der Stadt. Ich war etwas beleidigt über dieses Vorurteil. Fast kam ich mir vor, wie in einem Minenfeld, dabei wollten wir nur jede ihren Job richtig machen.

Vorurteile helfen vermeintlich die Welt einzuordnen, sind aber genauso oft falsch. Ergibt sich eine Diskussion, die nicht nur zur Klärung, sondern zu Verständnis führt, wenn frau nicht zu stolz ist, und nun meine ich den falschen Stolz, lassen sich die Steine von jedem Weg räumen. Ohne Vorurteile werden die Wege breiter, vielleicht auch unberechenbarer, aber nur vermeintlich.

herzlichst
barbara esther

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