Das Geräusch ist nicht unangenehm, aber laut. Helles Rauschen klirrend dumpfer Aufprall. Glas auf Blech. Stille. Einige Minuten später dasselbe. Wieder und wieder, sich entfernend. Es ist halb acht Uhr morgens, im offenen Fenster vermischt sich das ferne Brummen des Verkehrs mit dem erwachenden Quartier. Eine Tür schlägt, Schritte auf Beton, ein Gartentor, das quietscht, ein Vogel, der pfeift, ein anderer, der antwortet. Eine Katze faucht, eine andere flieht. Ein Luftzug, Blätter zischeln, zittern.
Ich bleibe unter dem Laken. Traumtrunken suche ich nach den letzten Fetzen der Geschichte und kann sie doch nicht halten. Wieder war die Nacht lang, konnte die Hitze der letzten Tage nicht vertreiben. Statt Kühle nur Geräusche. Nachtaktive Tiere sind unterwegs, Katzen, Fledermäuse, Nachtfalter, Fuchs, Reh, Igel und ein Dachs. Den habe ich gesehen, ist viel grösser als erwartet. Erkannt habe ich ihn erst, als er sich umdrehte und die schwarzweiss gestreifte Schnauze zeigte. Ein Rascheln im Gebüsch weckte mich, ich trat ans Fenster und er stand da. Dann trottete er gemächlich von dannen, im Bewegungsmelder des Nachbars sah ich ihn im Licht.
Doch nicht genug, durch die offenen Lamellen fand ein anderes Tier Eingang in mein Haus. Sein Sirren weckte mich, starr lauschte ich in die Nacht. Schliesslich stand ich auf, machte Licht. Eine kleine Fledermaus hing verängstigt in der Ecke. Das passierte mir einst auf Elba, eine Pipstrella im Zimmer, die wild kreisend den Ausgang suchte. Ich zog die Storen hoch, öffnete beide Fenster weit, löschte das Licht und wartete. Es ging nicht lang bis sie floh.
Ich legte mich zurück ins zerwühlte feuchte Bett, der Morgen war noch weit. Ich las ein wenig im roten Licht der Stirnlampe, um kein Insekt hereinzulocken. Als sich die Dämmerung erahnen liess, muss ich eingeschlafen sein. Bis der Glassammellastwagen mich weckt. Und dann geschieht es. Schwere Tropfen klopfen ans Fenster. Immer mehr, bis es rauscht. Endlich!
herzlichst
barbara esther
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