das Haus

Am Abend verschlangen die Wolken die Berge. Die Lärchen drängten sich Wächtern gleich ums Haus und reckten ihre noch grünen Girlanden gleichen Äste in die Höhe. Im Haus rechtfertigte unaufgeregte Geschäftigkeit sein Dasein.

Zartes rosa zeugt Stunden später vom nahen Morgen. Der Blick aus dem Fenster eines Zimmers auf der Bel Etage wird von den Lärchen umrahmt. Eines dieser Zimmer, die gegen Osten gehen, ein Haus wird rundum bewohnt. Gegen Nord und Ost sind es Einzelzimmer, wo die Schlafenden nur sich selbst und ihre Träume zum Gefährten haben. Das Morgenrot versöhnt, auch wenn es Regen bringt. Die Daunendecke, die gewärmten türkisen Fliesen im Bad auch. Wunschlos die Elektronik, kein Suchen nach Steckdosen, Radiosendern oder Wetterbericht.  Im Kleiderschrank brennt Licht – jedenfalls, wenn er offen ist. Der Schreibtisch hat Platz für das Alphabet der Schreibenden.

Und fehlte doch etwas, sind immer geschäftige Beschäftigte unterwegs. Jeden Abend um acht Uhr klopft es an der Tür: „Ich sollte Ihr Zimmer reinigen“, beim ersten Mal. Beim zweiten: „Brauchen Sie etwas?“ Beim dritten ein Lächeln im Wissen, was kommt. „Tutto bene, buona serata“. Er wird auch heute klopfen und morgen.

Am Frühstückstisch auffallend viele Einzeltische und graue Köpfe. Ein erstes Zeichen vom Aussterben solcher Orte? Noch ist der Saal voll, auch voll Freundlichkeit, man grüsst sich, ungeschminkt und in Schlarpen. Ein Wohnzimmer auf Zeit. In die Stube setzt man sich am Nachmittag mit Tee und Zeitung, Kaffee und Kuchen, einem Glas Wein und einem Buch. Opulente Bescheidenheit, die man sich leisten kann.

Der Weg hinaus zu Fuss führt über einen kleinen steilen Pfad durch den Wald hinunter an den See, wo die Landschaft übernimmt. Wortlos unbescheiden sie. Im Abendlicht liegt sie golden da, lädt ein. Es passt.

herzlichst
barbara esther

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